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Lebensprojektion und Neustart einer Kultband
ZINGULARITÄT – (VÖ: 05/2017, EarLab Records / Online)
ZING sind:
Michael ‚Micky’ Koch (voc) Torsten ‚Toddy’ Schermer (git, voc) Volker Martinen (bass, voc) René Münzer (keys) Peter Kistmacher (dr) Gabriele Schermer (voc)
Das 21. Jahrhundert ist musikalisch geprägt von Casting-Shows, Download-Charts – und so mancher Reunion. Während einige Größen vergangener Jahrzehnte ihre Top-Alben entstauben und auf die Bühnen hieven, spielt sich rund um Bad Segeberg eine ganz andere Zusammenkunft ab: ZING – die erfolgreiche norddeutsche Rocktruppe der 80er-Jahre – probt den Neuanfang und liefert 27 Jahre nach ihrer Auflösung ein ausgezeichnetes Deutschrock-Album ab. Die Zeit ist reif für „ZINGULARITÄT“.
Comic, Rock und Rudi Völler
ZING … das war doch die „Comic Rock Show“, die mit ihren emotionalen Rocksongs in teils abenteuerlichen Kostümen Mitte der 80er halb Norddeutschland aufgemischt hat. „Rudi Völler und ich – zwei Kämpfer vor dem Herrn, er auf dem Feld und ich vor dem Fernseher“ … „Heute Nacht wollen sie alles zurück…“ – langsam kehrt die Erinnerung zurück. War es in kultigen Live-Clubs wie Lindenhof, Große Freiheit 36, Traumfabrik, auf dem Jübek Festival (1985, 1986, 1987) oder irgendwo sonst zwischen Flensburg, Kiel, Hamburg, Lübeck, Bremen und Hannover, wo die Band zwischen 1983 und 1990 rund 200 Shows spielte? Ende der 80er gehörten ZING zum Power-Rille-Airplay des damals noch jungen Radiosenders RSH. Viele Fans erinnern sich bis heute an das grandiose Doppelkonzert im ‘Paradiso’ in Weede 2003. Seither wurde immer wieder über einen Neustart nachgedacht. Nun wird er Realität. Und ZING klingen reifer als je zuvor…

Nichts verpassen
Nach verschiedenen Projekten und internen Kontroversen haben sich ZING 2016 wieder zusammengefunden. Sänger Micky: „Wir wollen es einfach noch mal wissen. Musik machen können wir ja. Doch wem die neuen Songs am Ende gefallen, war für uns keine entscheidende Frage. Wir haben das Album vor allem für uns gemacht.“ Doch ganz so einfach war es nicht, was man nach fast 30 Jahren auch kaum erwarten kann.

 

Gründungsmitglied Toddy ergänzt: „Auf keinen Fall. Jeder von uns musste sich auch zurücknehmen. Im Vorfeld hatte schon jeder an neuen Songs geschrieben und diese teilweise auch vorproduziert. Dann haben wir uns eine Woche in einem Cottage in Dithmarschen verschanzt und gemeinsam an den Stücken gearbeitet. Wir haben dabei schnell gespürt, dass der Spirit noch da ist. Aber es hat dennoch von jedem Bandmitglied große Kompromissbereitschaft gefordert.“

Du bist frei
Diese freie Herangehensweise hört man jedem der 13 Stücke an. Rockige Up-Tempo-Nummern reihen sich nahtlos an sensible Gedankenspiele. Was ZING – damals wie heute – ausmacht, ist die unverkennbar klare Sprache. Die Songs gehen direkt in Ohr … und ins Herz. Oft fühlt man sich an eigene Erfahrungen oder an besondere Erlebnisse erinnert. Gleichzeitig beschäftigt sich die Band auch immer wieder mit sozialpolitischen Inhalten. So bieten Songs wie „Du bist frei“, „Die Flut“ oder „Jedem Tag“ durch die facettenreiche Reflexion von Alltagsgeschehen und Lebenserfahrung diverse Anknüpfpunkte zur Identifikation. Ein Grund dafür mögen auch die Arrangements sein.

 

ZING haben die Songstrukturen und partielle Opulenz der 80er-Jahre beibehalten, was eine wohlige Nostalgie schafft. Retro klingen sie dagegen nie. So wurden auch nur zwei ältere, bisher unveröffentlichte, Stücke neu arrangiert. Alle weiteren Songs wurden mit einem zeitgemäßen Anspruch an das Songwriting neu komponiert und arrangiert. Das macht „ZINGULARITÄT“ zu einem modernen, eigenständigen Rock-Album abseits der Trends deutschsprachiger Musik. Gitarrist Toddy sieht den Unterschied in ZINGs langjähriger Erfahrung: „Früher haben wir auf der Bühne Rollen gespielt. Sowohl in Form von kostümierten Charakteren als auch als Musiker. Heute spielen wir nur noch uns selbst.“ Sänger Micky stimmt dem zu: „Wir haben die Stories der Songs selbst erlebt. Im Alter wird einem immer klarer, wer man ist. Und auch, wer man eben nicht ist. Das Album ist somit auch eine Art Lebensbilanz. Bis hierhin!“ Der Albumtitel „ZINGULARITÄT“ bringt genau das auf den Punkt.
Weitere Infos: www.zing-die-band.de

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